Musikalische Magie für Auge und Ohr
Das Duo «Wooden Impact» liess auf Einladung von Rümlang Kultur Marimba und Stepptanz aufeinandertreffen und begeisterte in der reformierten Kirche mit einer faszinierend vielseitigen Performance.
Das Duo «Wooden Impact» liess auf Einladung von Rümlang Kultur Marimba und Stepptanz aufeinandertreffen und begeisterte in der reformierten Kirche mit einer faszinierend vielseitigen Performance.
RÜMLANG. Die Reihen der reformierten Kirche waren vergangenen Freitagabend gut gefüllt, als Michael Dinner von Rümlang Kultur zum Konzert des Duos «Wooden Impact» begrüsste, bei dem das Publikum nicht nur etwas zu hören, sondern auch zu sehen bekommen sollte. Mit Freude kündigte er einen der besten Stepptänzer an, den mehrfachen Weltmeister Daniel Borak, und den Musiker Manuel Leuenberger an der Marimba, einem Schlaginstrument, das die Jüngsten im Publikum vielleicht als iPhone-Klingelton kennen. «Aber eigentlich klingt es natürlich ganz anders» – und wie, liess sich in den folgenden 75 Minuten eindrücklich erfahren.
Den Chorraum in farbiges Scheinwerferlicht getaucht, eröffnete Leuenberger das Programm «Ta-Bamm!!!» mit «Ghania», einer mit afrikanischen Rhythmen mitreissenden Komposition, und entlockte seinem Instrument mit vier meisterhaft geführten Schlägeln wunderbar warme, zunächst zarte, bald kraftvolle Klänge, als Borak nach wenigen Minuten die mobile Bühne eroberte und die Metallplatten an Fersen und Hacken unter seinen Sohlen erklingen liess.
Dem Marimba-Solo «Libertango» folgte eine Improvisation von Daniel Borak mit verschiedensten Schrittfolgen, einmal an rassigen Flamenco angelehnt, dann wieder an die fliessenden Bewegungen des Eiskunstlaufs erinnernd. Mal setzte der 34-jährige Winterthurer rhythmische Akzente durch Stampfen, Schlurfen, Kratzen, Klacken, Klopfen, dann vollführte er tänzerische Akrobatik von Sprüngen bis zum Spitzentanz in schweisstreibender Perfektion – ein übergrosser Schattenwurf verlieh der Szene zusätzliche Magie. «Irrsinnig gut», entfuhr es einer Zuschauerin.
Untereinander und mit dem Publikum agierten die Künstler ohne ein gesprochenes Wort. Ebenso, wie die schlichte schwarze Kleidung keine Ablenkung zuliess, lenkte die stille Moderation per Beamer die Aufmerksamkeit auf die mit Witz und Charme servierte Darbietung.
Tempo legt der Tänzer bei Luiz Bonfás «Black Orpheus» vor, zur zurückhaltenden Begleitung mit der Marimba pfiff Leuenberger gekonnt die eingängige Melodie. Gefallen fand auch das humorvolle Zwischenspiel, in dem der zur Puppe erstarrte Musiker sich von Borak die Schlägel zustecken liess und erst nach Einwurf in die Geldbüchse zu spielen begann. Mit der vierhändig geklatschten Komposition «Clapping Music» von Steve Reich, gefolgt von Bachs «Gigue» aus der Cello-Suite C-Dur zeigte das Duo einmal mehr musikalische Vielfalt quer durch Genres und Epochen.
Nach dem kurzweiligen Aufbau weiterer Schlaginstrumente wie Gong und Becken verlangte John Psathas' «One Study» beiden Künstlern Können und Kondition gleichermassen ab, ebenso wie die anschliessende amüsant-atemberaubende Improvisation. Zum Thema des Ragtime-Klassikers «Maple Leaf Rag» übernahm Leuenbergers «Klon» die Bass-Begleitung auf der Videoleinwand, woraufhin Borak zu «The Entertainer» mit Jonglierkünsten zu überraschen wusste. Paul Smadbecks «Rhythm Song» sorgte für ein begeisterndes Finale, währenddessen Leuenberger die Leuchtschlägel in der verdunkelten Kirche wie Glühwürmchen über die Klangplatten tanzen liess. Das Scherzo «Promenade Bourgeoise» diente als Zugabe, die mit tosendem Applaus eingefordert wurde.
Was 2016 mit einem kleinen gemeinsamen Projekt begann, habe sich Stück für Stück zur abendfüllenden Performance entwickelt, erzählt Manuel Leuenberger nach dem Auftritt. Zum dritten Mal habe das Duo sein Programm «Ta-Bamm!!!» an diesem Abend gezeigt und zuvor noch einmal daran gefeilt, verrät der 2017 mit dem Kulturpreis seiner Heimatstadt ausgezeichnete Wetziker. «Wir versuchen, jedes Mal etwas Neues auszuprobieren, und schauen, was passiert, wie diesmal das Spiel mit der Puppe.» Zwei gemeinsame Proben vor dem Auftritt mussten reichen – die individuelle Vorbereitung sei entscheidend.
Als Stepptänzer komme er voll auf seine Kosten, bestätigt Daniel Borak: «Meine Choreografien entwickle ich ganz intuitiv zu Manuels Tonaufnahmen – so, wie es für mich Sinn macht.» Keiner rede dem anderen rein, jeder sei Profi in seinem Fach, abzustimmen gelte es vor allem Tempo und Dynamik. Sie wollten nicht alles vorab fixieren, auf keinen Fall dürfe es abgespult wirken: «Man kann auf der Bühne ruhig ein Risiko eingehen, es darf auch mal etwas Unerwartetes geschehen», sind sich die beiden einig. Als zukünftiges Highlight schwebt ihnen ein «absolutes Fusion-Stück» vor, um die Zuschauer am Ende des Programmes mit einem Rollentausch zu verblüffen.
Den gesamten Auf- und Abbau vor und nach dem Konzert erledigen die beiden noch selbst, fünf Stunden habe sie die Einrichtung an diesem Tag gekostet. Auch wenn es sie stolz mache, alles allein zu schaffen, fehle ihnen doch ein Techniker, räumt Manuel Leuenberger ein. «Und ein Agent», ergänzt Daniel Borak.
Martina Kleinsorg
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