Unvergesslicher Auftritt für die Gospel Singers Rümlang
Den Gospel Singers Rümlang wurde eine riesige Ehre zuteil: Die Gesangsgruppe durfte bei der Barbara-Feier im Rahmen der Bauarbeiten für die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels auftreten.
Den Gospel Singers Rümlang wurde eine riesige Ehre zuteil: Die Gesangsgruppe durfte bei der Barbara-Feier im Rahmen der Bauarbeiten für die zweite Röhre des Gotthard-Strassentunnels auftreten.
Göschenen/Rümlang. Für die Gospel Singers Rümlang war die Einladung zum Auftritt vom letzten Montag eine aussergewöhnliche Anerkennung und Wertschätzung. Zustande kam die Einladung auch, weil der Chor bereits entsprechende Auftritte im Zusammenhang mit der Entstehung und Eröffnung des Üetliberg-Tunnels hatte. Diese Auftritte liegen zwar schon einige Zeit zurück und betrafen die Jahre 2004 und 2007, ebenfalls am Tag zur heiligen Barbara sowie bei deren Eröffnung. Doch der Gospelchor hatte an den entsprechenden Stellen einen gewinnenden Eindruck hinterlassen. Rund ein Dutzend der aktuell etwa 50 Mitglieder waren schon bei den Auftritten im Zusammenhang mit dem Üetliberg-Tunnel dabei.
Doch das Bauwerk des Gotthard-Strassentunnels von über 17 km ist nochmals eine andere Liga von der Grössenordnung und Bedeutsamkeit her. Zumal es auch ein Nadelöhr der Direktverbindung von Nord und Süd ist.
Die zweite Gotthard-Röhre wird nun voraussichtlich 2030 eröffnet. Wie bei Tunnelbergarbeiten üblich, wird zum Schutz der beim Bau involvierten Personen alljährlich zum 4. Dezember eine sogenannte Barbara-Feier durchgeführt. Jeweils zu diesem Datum, am Tag der heiligen Barbara, wird der Mineure und Tunnelbauer, aber auch Geologen, Sprengmeister, Bergleute und weiterer Berufsgruppen gedacht.
Die Gedenkfeier mit dem Auftritt der Gospel Singers wurde deshalb umrahmt von einem Gottesdienst, der von Ennetbürgens Diakon und Gemeindeleiter Elmar Rotzer angesichts der zahlreichen Gastarbeiter mehrsprachig geleitet wurde. Der bekennende Fan des ennet des Gotthard-Tunnels beheimateten HC Ambri-Piotta entschuldigte sich gegenüber dem «Rümlanger» für sein «sehr schlechtes Portugiesisch», das aber gar nicht so schlecht klang.
Für den kompletten Tag der traditionellen Segnung standen die imposanten Tunnelbohr-Fahrzeuge und Maschinen für einmal still. Ein Altar und ein prächtiger Weihnachtsbaum sorgten stattdessen für eine heimelige Ambiance rund 500 Meter im Tunnelinnern auf der Göschenen-Seite.
Laut den örtlichen Bau-Sachverständigen ist die Technologie im Tunnelbau mittlerweile zwar in jeglicher Sicht fortgeschritten und die Zahl von nennenswerten Unfällen habe sich im Vergleich zu früher deutlich verringert, aber ungefährlich sei die Arbeit nach wie vor nicht. Vorab sei für die Beschäftigten höchste Aufmerksamkeit bei den zahlreichen Ein- und Ausfahrten der Bau-Fahrzeuge in den Tunnel geboten. Die heilige Barbara ist auch deshalb beim Tunnel-Eingang als Schutzpatronin aufgestellt.
Die Akustik im Tunnel war etwas gewöhnungsbedürftig und verhinderte ein noch stimmungsgewaltigeres Echo. «Es verschluckt halt schon viel im Gegensatz zu einer Kirche, wo es einen Widerhall gibt», sagte Bettina Goldbach vom Chor. Die über 200 Zuhörenden zeigten sich dennoch sehr angetan ob der stimmungsvollen Darbietung und verteilten auch persönliches Lob an die Gospelsängerinnen und Gospelsänger.
Musikalisch geleitet wurden die Rümlanger Gospel Singers von Chor-Präsidentin Cordula Sohm sowie der Dirigentin und Klavier-Begleiterin Christine Pellegrini, die sogar schon am Vorabend nach Göschenen gereist war. Ausgewählt aus dem aktuellen Repertoire der Gesangsgruppe wurden sechs Lieder: «Alpha and Omega», «He's our Hope», «Yahwe», das sinnbildliche «Holy Highway» sowie «Gospel Medley», das als Zugabe zum Besten gegeben wurde. Rund 35 der 50 Chormitglieder sangen mit.
Abwesend waren Berufstätige, die trotz der aussergewöhnlichen Ehre nicht frei machen konnten. Dies betraf laut Martin Sauter vom Chor vorab Lehrerinnen. Sauter, der vor knapp 30 Jahren zu den Chor-Gründungsmitgliedern zählte, zeigte sich vom Auftritt der Gruppe begeistert: «Alles klappte bestens und lief wie gewünscht ab.»
Nach dem Auftritt dislozierte die Rümlanger Gruppe mittels 20-minütiger Carfahrt fürs Mittagessen nach Altdorf, wo die insgesamt rund 200 geladenen Gäste im Restaurant «Zum Schwarzen Uristier» bewirtet wurden. Beim gemütlichen Beisammensein flackerten auch Erinnerungen auf. Für Marie-Louise Dinichert war der Gewinn des Schweizer Meistertitels im Gospelchor ein ebenso herausragendes Erfolgs-Erlebnis wie ihre drei Tunnel-Erfahrungen mit dem Chor. 2007 hatten sie den Schweizer Meistertitel geholt. Eine goldene Erinnerung für die Gospel Singers. Denn schon seit geraumer Zeit werden keine Schweizer Gospel-Meisterschaften mehr ausgetragen.
Einige der rund 50 Rümlanger Gospelsängerinnen und -sänger kommen gar aus der Umgebung Bern oder aus dem Raum Luzern, obschon sie an näherliegenden Standorten ihrem Hobby frönen könnten. Es spricht dies für die Anziehungskraft und die Beliebtheit der Rümlanger Gospel Singers, deren Frauenanteil rund 70 Prozent beträgt.
Jeweils montags trifft sich die stimmgewaltige Gemeinschaft zur Probe. Der nächste Auftritt der Gospel Singers Rümlang steht mit dem Adventssingen am Sonntag, 17. Dezember, 17.30 Uhr vor der reformierten Kirche, im Programm. «Die Idee dahinter ist, dass sich die Zuschauenden dabei zum Mitsingen animiert fühlen und dies auch ungeniert tun können», sagt Präsidentin Cordula Sohm.
Richard Stoffel
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