Die Ruderregatta im Dezember mit Zielort in Eglisau gehört zu den härtesten Ruderrennen der Schweiz (im Bild Mitte: der 17-jährige Cyril Carniello aus Bülach). Bild: rst
08.12.2023 01:00
Eglisau im Visier der zähen Langstrecken-Ruderer
Zäh, zäher, Winterrudern - unter dieses Motto lässt sich die traditionelle Langstrecken-Ruderregatta vom Dezember mit dem Zielort in Eglisau stellen. Am kommenden Samstag wird sie zum 18. Mal ausgetragen.¶
Eglisau. Der Event «langstrecke.ch» gilt als das härteste Ruderrennen der Schweiz. Es nehmen 31 Achter-Teams daran teil, darunter auch Vertretungen aus den Niederlanden, Dänemark oder Deutschland. Für einmal wird Eglisau nicht nur Ziel-, sondern auch Startort sein. Denn wegen Hochwasser wurde die ursprüngliche Streckenführung über 11 km von Ellikon nach Eglisau abgeändert. Nun wird über eine kaum minder anspruchsvolle Alternativstrecke über 7,5 km mit Wendepunkt gerudert.Die Altersstruktur der Teilnehmenden reicht von Teenagern bis zu rüstigen Rentnern. Letztere engagieren sich teilweise auch als freiwillige Helfer. Das Durchschnittsalter der Bootsinsassen entscheidet über die Kategorien-Zuteilung abseits der Eliteklasse, in der rund die Hälfte der Teams antreten. Ausgezeichnet werden daneben unter anderem noch das schnellste Frauen- sowie Masters-Boot.Ein Augenschein vor Ort im Training bei winterlichen Verhältnissen in Eglisau: Schnee am Steg, Bise in der Luft und eiskaltes Rheinwasser. Für den Motor des Trainer-Begleitbootes war es von Beginn an zu frostig. Er versagte den Dienst. Für den Outdoor-Sportler ist derweil Überwindung pur gefragt.Denn Kuhnagel an den Extremitäten oder zitternde Unterlippen sind bei den aktuellen Witterungsbedingungen nicht zu vermeiden. Frauen und Männer unterschiedlicher Leistungsstärke werden am Samstag während der rund 20 bis 40 Minuten Wettkampf-Zeit hart gefordert. Zumal Rudern allein schon zu den härtesten Ausdauer-Sportarten überhaupt zählt.Zu den zähen Protagonisten zählt auch der 17-jährige Cyril Carniello aus Bülach. Er war schon mit den B-Junioren Schweizer Meister im Achter und trainiert aktuell acht Mal pro Woche. «Wenn man nicht anstrengend trainiert, wird man auch nicht besser», lautet seine Devise. Garniellos Vater segelte früher. Auch deshalb landete er beim «verwandten» Rudern. Seit mittlerweile vier Jahren betreibt er diesen Sport.Die Gefahr, als Ruderer ins Wasser zu fallen, ist laut Carniello beim Einer oder Zweier eher vorhanden. Jedoch weniger im Achter. Dennoch müssen die Ruderer Kälte aushalten. «Die erwachsenen Ruderer ziehen im Gegensatz zu uns Jüngeren Handschuhe an», sagt Carniello stirnrunzelnd. Der «Kuhnagel» mache sich dann bemerkbar, wenn man beispielsweise nach dem Einrudern auf die Fortsetzung des Trainings warten müsse.Carniellos Indoor-Bestzeit über die olympische Ruder-Distanz von zwei Kilometern beträgt aktuell 6:39 Minuten. Innerhalb der nächsten zwei Monate möchte er diese PB auf 6:35 Minuten senken. Dafür trainiert Carniello rund 16 Stunden pro Woche. Eine Einheit auf dem Wasser dauert bis zu zwei Stunden. Kraft, Athletik und Kondition stehen momentan im Vordergrund. Ab einem Trainingslager in den Schulsportferien in südlichen Gefilden verlegt sich dann die Priorisierung aufs Wasser.Im Winter nimmt Carniello zwecks Form-Erhaltung, Technik-Schliff und Ausbau der Ausdauer-Kapazität an entsprechenden Langdistanz-Events teil. Seine letzte geplante Langstrecken-Teilnahme fiel allerdings buchstäblich ins Wasser. Am geplant gewesenen Austragungsort bei Basel herrschte wegen der beträchtlichen Niederschlagsmenge der letzten Wochen Hochwasser im Rhein.
Rund 4,5 km stromaufwärts
In Eglisau wird der Wettkampf wegen Hochwasser nicht abgesagt, aber die Strecke verändert beziehungsweise verkürzt. «Wegen den hohen Fliessgeschwindigkeiten in der oberen Hälfte der Originialstrecke mussten wir die Rennstrecke kurzfristig neu auslegen», erklärte OK-Präsident Stephan Flory gegenüber der «Unterland-Zeitung». Zwar seien die Bedingungen ruderbar. Aber es nähmen auch Anfänger am Wettkampf teil, denen der Umgang mit den riskanteren Strömungsverhältnissen nicht zugemutet werden soll. «Die neue Rennstrecke findet ganzheitlich in Eglisau statt, wo durch das Stauwehr in Rheinfelden der Fluss stark gebremst wird.»Start ist nun unter dem Viadukt von Eglisau, danach geht es flussaufwärts bis Eingang Tössegg mit Wende um zwei Bojen und schliesslich wieder flussabwärts Richtung Ziel. Die Alternativstrecke Eglisau - Wende - Eglisau ist nun 7,5 km lang, rund 4,5 km davon stromaufwärts. «Dies ist unter den aktuellen Strömungsverhältnissen durchaus anspruchsvoll und kann sehr wohl für saure Beine sorgen», betont Flory.
Schnuppermöglichkeiten ab 2024
Ciro Prisco, der seit zwei Monaten Coach vom organisierenden Seeclub Zürich ist, sagt gegenüber der «Unterland Zeitung»: «Selbst Olympia-Teilnehmer bestreiten das Langstreckenrennen in Eglisau. Sie betrachten die Regatta als Herausforderung, kommen aber auch wegen der Umgebung mit dem Eisenbahn-Viadukt.»Der Italiener denkt indes bereits über langstrecke.ch hinaus. «Ab Januar wollen wir hier in Eglisau am Mittwochnachmittag nach 14 Uhr ein Schnuppertraining für hier lebende Jugendliche und junge Erwachsene anbieten. Es ist ein wundervoller Ort hier in Eglisau. Und es ist doch enorm schade, dass die Leute diesen Fluss nicht noch mehr zum Rudern nutzen», meint der Italiener. In erster Linie sollen Studierende mit dem Angebot angesprochen werden. Ob die Schnuppertrainings komplett kostenfrei angeboten werden können, ist denkbar, aber noch nicht gesichert. Im Sommer soll auch älteren Semestern aus Eglisau ein identisches Schnupper-Angebot offeriert werden.
Richard Stoffel