Dorfkind auf grosser Bühne
Die Furttaler Sängerin Ladina veröffentlichte vor zwei Jahren erste Songs. Seither geht es mit ihrer Musikkarriere steil aufwärts.
Sängerin Ladina schreibt vielschichtige, berührende Lieder. Bild: Martin Allemann
Die Furttaler Sängerin Ladina veröffentlichte vor zwei Jahren erste Songs. Seither geht es mit ihrer Musikkarriere steil aufwärts.
Furttal. Ladina Gioia Defila – ein klingender Name. Die 23-Jährige aus Otelfingen mit Bündner Wurzeln geniesst immer noch den Kontakt zu ihrem Kolleginnenkreis aus der Jugendzeit. Im Dorf aufgewachsen, aktiv im Turnverein, inzwischen wohnt sie im Nachbardorf Boppelsen, hat sie es mit ihrer Musik auf mittlerweile grosse Bühnen geschafft.
Dabei hat sie nicht wie viele schon als Kind den Wunsch gehabt, Musikerin zu werden. Ihr Bruder nahm Klavierstunden und sie tat es ihm gleich.
So richtig mit dem Liederschreiben hat sie sich erst in der Sekundarschule auseinandergesetzt und später in der Fachhochschule – Ladina lässt sich aktuell zur Primarlehrerin ausbilden. «Ich nahm auch nie Gesangsunterricht. Erst jetzt, wo ich es professionell betreibe, einige Stunden, um das Instrument Stimme richtig einsetzen zu können und zu pflegen.»
Während der Corona-Zeit waren nur Konzerte im intimen Rahmen möglich. Ladina gewann, sozusagen als Fan, wider Erwarten Tickets für ein Dachterrassenkonzert des Zürcher Musikers Zid. «Beim anschliessenden Apéro fand ich: In einem so intimen Rahmen würde ich auch gerne mal singen. Da dürfen auch mal Fehler passieren. Meine Kollegin stellte mich Zid mit der Bemerkung, ich könne auch noch gut singen, vor.» Zid gab ihr eine Bühne, Ladina nutzte die Chance und performte drei selber geschriebene Lieder.
Seither ist der Musiker ihr Produzent. «Zwei Wochen später besuchte ich ihn bereits im Studio.» Das Liederschreiben hat sie sich selber beigebracht. «Es ist ein steter Lernprozess, der herausfordert, aber auch eine Menge Spass macht», erzählt sie mit Begeisterung.
Mit der Single «Friends» und Ladinas persönlichen, berührenden Geschichten liess sie die Musikfachwelt aufhorchen. Als SRF3 Best Talent hat sie auch Major-Label Sony Music mit ihrem Songwriting überzeugt. Im August dieses Jahres erschien Ladinas Debüt-EP «Sweet».
In Pop-Klangwelten verpackt, widerspiegeln die Lieder mit Herzschmerz, Wut und Trauer, Freundschaft und Liebe die eine Seite des zwiespältigen Gefühlslebens der jungen Sängerin. Selber stellt sie sich immer wieder eigenen Panikattacken. Einen Monat später folgte die EP «Bitter». Auf sechs Tracks setzt sie sich mit Ängsten, Frustration auseinander und möchte damit Mut und Hoffnung schenken. «Es ist also nicht einfach eine PR-Idee, sondern ich wollte ganz bewusst mein breitgefächertes musikalisches Schaffen nicht zu einem Paket schnüren.» Ein solch fulminanter Einstieg bei einer grossen Plattenfirma erhöht den Druck, abliefern zu müssen. «Klar hatte ich am Anfang meine Zweifel, wohin das führen wird. Aber ich kann mich auf ein wirklich tolles Team verlassen und bekomme jegliche Unterstützung. Das gibt mir Sicherheit. Ich liebe die Studioarbeit. Auf der anderen Seite war ich absolut ohne Live-Erfahrung und hatte keine Band im Rücken. Alleine am Piano, das treibt schon Schweissperlen auf die Stirn. Ich sagte mir, Ladina bleibe einfach dich selber, es kommt schon gut.»
Und das bestätigt sich, jetzt formiert sich eine Band, auf welche sie sich auf nationalen Bühnen wohlfühlen kann. Und auf solchen wird sie schon bald häufiger musizieren.
Anfang Dezember wird sie zum zweiten Mal die Fans von Baschi anheizen. «Klar bin ich nervös im positiven Sinn.» Aber wie man weiss: Ohne Adrenalin fehlt es an Spannung, Intensität und Intimität – davon leben Ladinas Lieder.
Martin Allemann
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