«Zertifizierter» Güggel als Ziel
Die reformierte Kirchgemeinde Furttal strebt die umweltfreundliche Zertifizierung «Grüner Güggel» an und befindet sich mitten in der Vorbereitungsphase dazu.
Das Elektro-Fahrzeug der reformierten Kirchgemeinde Furttal. Bild: rst
Die reformierte Kirchgemeinde Furttal strebt die umweltfreundliche Zertifizierung «Grüner Güggel» an und befindet sich mitten in der Vorbereitungsphase dazu.
Regensdorf. Werden nach einem Besuch der Kontrollstelle die umfangreichen Anforderungen als umgesetzt bewertet, erfolgt voraussichtlich im Frühsommer die Zertifizierung.
«Das Umweltmanagementsystem 'UMS Grüner Güggel' hilft Kirchgemeinden bei der Verbesserung ihrer Umweltleistung. Es dient der Optimierung des Ressourcenverbrauchs, spart Betriebskosten und wirkt langfristig und motivierend über die Gemeindegrenzen hinaus», heisst es im Web-Auftritt der Zertifizierer. Ein zehnstufiges Verfahren ist zur Erreichung der Zertifizierung notwendig. Andernfalls müsste nachgebessert werden.
Abgesehen von externen Gartenarbeitern, die nach den entsprechenden umweltschonenden Vorsätzen instruiert werden, sind vorab Mitarbeiter von der Kirchenpflege selbst für die Umsetzung der neuen Richtlinien verantwortlich. Bei der Neugestaltung des Rasens sollte man stufenweise vorgehen. Deshalb sei eine geplant gewesene Roboter-Beschaffung für den Mähvorgang vorderhand auf Eis gelegt, sagt René Mathis. Er ist der Liegenschaft-Verwalter der Regensdorfer Kirchpflege und leitet die Zertifizierungs-Bestrebungen der Kirchgemeinde Regensdorf inklusive den angeschlossenen Gemeinden Buchs, Dänikon und Dällikon.
Den Hintergrund zum Zertifizierungs-Titel «Grüner Güggel» findet man beispielsweise auf der einen oder anderen Website einer reformierten Kirchgemeinde in diesem Land. Darin heisst es: «Der Name 'Grüner Güggel' stammt aus der Passionsgeschichte. Petrus verleugnet Jesus nach dessen Verhaftung dreimal, bevor der Hahn kräht. Dann wird ihm sein Verrat bewusst. Der Güggel ist darum Symbol für den Prozess des Bewusst-Werdens. Und dieses steht immer am Anfang der Veränderung. Auf vielen reformierten Kirchtürmen ermahnt ein 'Güggel'die Menschen, ihr Leben zu bedenken. Die Farbe Grün steht für die Hoffnung.»
Grün steht heute primär auch für Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit, wobei die Leitplanken für die Erlangung der Zertifizierung dazu noch weiter gestreut sind und beispielsweise auch das Sicherheits-Bewusstsein beinhalten. Bei der Arbeitsplatzsicherheit wird vor allem auch auf Prävention geachtet. Dazu zählt, dass beispielsweise sämtliche Utensilien im Zusammenhang mit Reinigungen säuberlich angeschrieben sind. «Wenn geputzt wird, wird eben auch mit Chemikalien vorgegangen. Und dies ist halt nicht immer gefahrlos.», sagt Mathis und denkt dabei nicht nur ans Fensterputzen, sondern auch an Personen-Transporte und die allgemeine Einhaltung der SUVA-Richtlinien zur Unfall-Verhütung.
Das Verantwortungsbewusstsein für die Angestellten soll spürbar sein. Die Verhaltens-Richtlinien und Anleitungen im Falle eines Unfalls oder beispielsweise Feuer-Ausbruchs am Arbeitsplatz sind klar definiert. An einem Putzschrank ist beispielsweise das Vier-Farb-Code-System in der Reinigung angeschlagen. «In der Prüfung werden beispielsweise die Kästen aufgemacht und geprüft, ob alles vorschriftsgemäss angeschrieben ist.» Früher sei alles noch durcheinander und nicht angeschrieben gewesen. «Und vielleicht war gar auch noch das eine oder andere Gebräu zusammengemischt gewesen», orakelt Mathis gegenüber dem «Furttaler». Konkrete Anschaffungen erfolgten nun beispielsweise neu mit mehrfachen Gehörschutz gegen Glockengeläut oder einem Elektro-Transportwagen. Der Gehörschutz ist vorab beispielsweise für Besuche von Schulkindern vorgesehen, wenn diese den Kirchenturm hochklettern und dort oben aus nächster Nähe auf entsprechend laute Töne treffen könnten.
Der Weg zur Umsetzung für das Zertifikat erfolgt in zehn Stufen. Die gelisteten Schritte umfassen Planung, Kommunikation, Schöpfungsleitlinien, Bestandesaufnahme, Bewertung, Umweltprogramm, Umweltmanagementsystem, Umweltbericht, Internes Audit. Und nach dieser internen folgt dann die externe Prüfung und Zertifizierung. Aktuell befindet sich laut Mathis die Regensdorfer Kirchgemeinde in der Massnahmen-Liste bereits auf der Höhe des Umweltberichts.
Wichtig ist der schonende Umgang mit Wärmeenergie sowie Wasser und Abfall. Biologische Vielfalt und Konsum betreffen weitere Definierungen. Im Gegensatz zu städtischen Kirchgemeinden seien komplett fleischlos gehaltene Apéros für Jubilare beispielsweise im Furttal weiterhin kein Thema, betont Mathis. Ansonsten würden im Konsumbereich aber natürlich lokale Produzenten für Wein und Esswaren bevorzugt oder in erster Linie berücksichtigt. Es erfolgte auch sonst ein gesamtheitlicher Einkauf: Und beim Kaffee komme man wieder weg von den Espresso-Kapseln hin zurück zum Bohnenkaffee. Weitere Massnahmen im «kleinen Bereich» sind beispielsweise die Reduzierung von Hochweiss-Papier.
Radikal sind weder die Anforderungen noch die Umsetzungen in den Kirchgemeinden. Schliesslich gebe es auch Grenzen der Optimierung, gesteht Mathis. «Wir sind nicht so reich, dass wir einfach die Fenster in den Kirchliegenschaften ersetzen lassen können, weil sich nicht mehr den höchsten Energie-Standards entsprechen. Dies geht nicht.» Mathis verfügt schon Erfahrungen mit ISO-Zertifizierungen für andere Qualitäts-Standards im Unternehmens-Bereich, die er aber im Gegensatz zum Grünen Güggel als nicht gewinnbringend für die Betroffenen erlebt hat. «Das waren dann Papiertiger bis zum Abwinken.» Mathis nahm da ein Zertifizierungs-System wahr, «das von den Leuten im Alltag nicht akzeptiert und nicht so gelebt wurde.»
Das Gegenteil und damit wahrhafte Nachhaltigkeit soll hingegen die Zertifizierung zum «Grünen Güggel» bewirken. «Wir wollen nicht mehr Kirchen-Austritte mit dieser Zertifizierung provozieren», stellt Mathis klar. Vielmehr will man nach der Zertifizierung diese auch langfristig bestätigen und halten können, «oder vielleicht sogar steigern mit dem Bekenntnis zum Grünen Güggel», betont Mathis. Zur Zertifikatsfeier wird die Bevölkerung rechtzeitig eingeladen.
Richard Stoffel
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